Deutsches Institut für Erinnerungskultur
Die Kinder der toten Stadt - Musikdrama gegen das Vergessen

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Die Stiftung - erinnern emöglichen

Methodsich- didaktischer Ansatz

Methodsich- didaktischer Ansatz

Möglichkeit einer Unterrichtseinheit zur Vorbereitung
von Schülerinnen und Schülern auf einen Besuch der
Gedenkstätte Auschwitz (- Birkenau)

Thema der Unterrichtsreihe:

Auschwitz Birkenau – 66 Jahre danach:
ein (er-)tragbares Leid?


Ziel der Unterrichtseinheit: Die Schülerinnen und Schüler sollen sich mit Einzelschicksalen des Holocaust auseinandersetzen, indem sie dem Museumskoffer in seiner Vielfalt begegnen und ihn mit verschiedenen Sinnesorganen (visuell, haptisch, akustisch) erfassen.

 

Methodisch-didaktischer Kommentar: Die geplante Unterrichtssequenz ist (bezugnehmend auf die Richtlinien und Lehrpläne des Ministeriums für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen) in verschiedenen Fächern und Jahrgangsstufen vorgesehen und birgt großes Potential für ein fächerübergreifendes Projekt. Insbesondere die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer wie Ethik, Religion und Geschichte ermöglichen einen interdisziplinären Zugang zu diesem Thema.

Für einen Besuch von Schülerinnen und Schülern der Gedenkstätte Auschwitz  bietet  der Museumskoffer viele Möglichkeiten, diese Fahrt und die Begegnung mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte vorzubereiten. Die Schülerinnen und Schüler sollen im Sinne der Vermächtnis- und Erinnerungskultur sensibilisiert werden und die Gedenkstätte Auschwitz bewusst als Ort des Lernens und Erinnerns wahrnehmen.

Im Rahmen dieser Unterrichtseinheit bietet der Museumskoffer einen neuen Zugang. Museumskoffer ermöglichen im Gegensatz zu Lehrbüchern handlungsorientiertes, entdeckendes und experimentelles Arbeiten. Die Möglichkeit, Gegenstände aus dem Koffer zu nehmen, zu betasten, zu fühlen, das alte Material zu riechen, Lieder in jiddischer Sprache (Klezmer-Musik) zu hören etc., spricht verschiedene Sinnesorgane an, was eine hohe Nachhaltigkeit und Intensität des Lernens in den Schülerinnen und Schülern erzeugt. Es kommt zu einer „Berührung“ im doppelten Sinne und regt zu kommunikativem Austausch an. Da Zahlen, Daten und Schwarzweißfotos aus Lehrbüchern die Vorstellungskraft vieler Jugendlicher übersteigt, bietet ein Museumskoffer die Möglichkeit, sich mit individuellen Einzelschicksalen auseinanderzusetzen. Diese Auseinandersetzung ermöglicht sowohl einen intensiven als auch emotionalen Zugang zum Thema. An Schicksalen einzelner Individuen, deren Geschichte die Schülerinnen und Schüler anhand von Zeichnungen, Fotos, Werken, Spielzeugen, persönlichen Gegenständen, Kleidung etc. in Ansätzen nachempfinden können, begreifen sie zumindest annähernd die schreckliche Einmaligkeit des Holocaust. Die Schülerinnen und Schüler werden eingefangen und bekommen die Möglichkeit, durch die persönlichen Habseligkeiten eines Kindes dieses dahinter zu „sehen“.

Durch die Authentizität der Gegenstände im Koffer fühlen sie sich in die damalige Zeit versetzt und sind damit auch den Kindern, die damals gelebt haben, näher. Ohne diese Form der Vorbereitung besteht die Gefahr, dass das Gelände an sich mit seinen Gebäuden bzw. Gebäuderesten auf die Schülerinnen und Schüler “sinnentleert“ und zu abstrakt wird. Durch diese Art der Vorbereitung auf den Aufenthalt in Auschwitz,  können Sie sich schließlich an bestimmte Dinge des Koffers oder der Unterrichtseinheit allgemein erinnern und sie mit dem tatsächlichen Ort in Verbindung bringen (Betreten sie zum Beispiel den Raum, in dem tausende von Schuhen ausgestellt sind, können sie sich an das eine Paar Schuhe erinnern, das ein Kind in seinen Koffer gepackt hat, so, wie es in dem Museumskoffer zu sehen ist). Dadurch wird es ihnen einfacher gemacht, zu „be-greifen“, was an diesem Ort geschehen ist und dass jedes der Opfer ein Einzelschicksal hatte.

Am Ende dieser Unterrichtseinheit bekommen die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich untereinander und mit der Lehrperson über ihre Emotionen auszutauschen. Das soll dazu dienen, die Schülerinnen und Schüler nicht mit diesen allein zu lassen und eventuelle Irritationen oder offene Fragen zu beheben.

Gemäß den Richtlinien/Aufgaben und Zielen der gymnasialen Oberstufe erhalten die Schülerinnen und Schüler Hilfen zur persönlichen Entfaltung in sozialer Verantwortung. Weiterhin wird die Ausbildung von Urteils- und Reflexionsfähigkeit gefördert.

Der Zugang zum Holocaust auf diesem Wege soll der Bildung von Jugendlichen zu Persönlichkeiten dienen, die befähigt und ermutigt sind, im Sinne der Völkerverständigung gesellschaftskritisch für Toleranz und gegen Antisemitismus und  Faschismus in jeglicher Form engagiert einzutreten und zu leben.

Unterrichtseinheitsziel

Unterrichtseinheitsziel

Vorbereitung auf den Besuch der Gedenkstätte Auschwitz (-Birkenau)
im Sinne der Erinnerungs- und Vermächtniskultur


Ziel der Unterrichtseinheit ist die Auseinandersetzung von Schülerinnen und Schülern mit Einzelschicksalen des Holocaust.

Dazu dient der  so genannte „Museumskoffer“, der den Schülerinnen und Schülern vielfältige Möglichkeiten bietet, diesen Einzelschicksalen zu begegnen und sich damit intensiv (sowohl informativ als auch emotional) zu beschäftigen.

 

„Das Vergessenwollen verlängert das Exil und das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung“ (Jüdische Weisheit)


Diese oft zitierte jüdische Weisheit zeigt deutlich die Notwendigkeit, sich heute dem Thema Holocaust auf eine Weise zu nähern, die mit unserem „Inneren“ den Begriff des Er-Innerns impliziert, sowie in Kontakt zu treten und in Berührung zu kommen. Der nachhaltigste und direkteste Weg vor allem im gesellschaftlichen Bereich führt nicht über Daten, Zahlen und Schwarz-Weiß-Fotos, sondern über die Begegnung und die Auseinandersetzung mit den Opfern, die gleichzeitig die damalige vergebliche Hoffnung in die Zukunft  des Jüdischen Volkes waren – die Kinder. Dieses Kennenlernen muss seitens der Zukunft unserer Gesellschaft, das heißt, im schulischen und pädagogischen Kontext geschehen. Kennenlernen meint hier auch das Lernen aus der Geschichte, was nur möglich ist, wenn ein Zugang dazu gelungen ist, der nicht auf nur Faktenwissen beruht, sondern auf Emotionen durch Identifizierung.

Die Schülerinnen und Schüler sollen die Gedenkstätte bewusst als Ort der Lernens und Erinnerns wahrnehmen und sich nachhaltig auch in aktuellen Kontexten mit den Themen Diskriminierung und Faschismus in jeglicher Form auseinandersetzen.